So schreibt "einfach BERGISCH" über uns

18.05.2017

Für alle Lebenslagen

Bei Isle of Dogs Design in Wuppertal gibt es Möbel, die sich für (nahezu) jede Altersgruppe eignen. (von Deniz Karius)

Geübt und sorgsam führt Stefan Stegers den Pinsel, nach und nach füllt blau-graue Farbe die Kontur eines kleinen Segels. Dann ist der Schiffsrumpf an der Reihe, der in einem klaren, freundlichen Rot leuchten soll. Die Umrisse des Segelschiffs hat Stegers zuvor auf das Holzbrett durchgepaust. Es könnten auch die eines Schmetterlings, eines Schaukelpferds oder eines anderen der rund 45 Motive sein, mit denen er im Atelier von Isle of Dogs Design seit neun Jahren als Produktionsleiter Kinderzimmermobiliar individualisiert. Genauer gesagt sind es überwiegend Accessoires, die, so verziert, dem Spielbett der Wuppertaler Unternehmerinnen Birgit Geisel und Dorothee Gahlen das gewisse Etwas verleihen. Denn mit auf das bewegliche Törchen und alle anderen Teile des Bettes aufsteckbarem Ablagebrett, mit Box, Regalen und Markise verwandelt sich der Raum unter dem Hochbett rasch in einen Kaufmannsladen, bereit, tüchtig bespielt zu werden. Wandelbar ist ein Stichwort, das das Bett wie nahezu alle Möbel von Isle of Dogs Design kennzeichnet; vielseitig, zeitlos, langlebig und attraktiv sind weitere. Nicht von ungefähr wurde das Spielbett auch schon ausgezeichnet: mit dem „Gruner+Jahr Family Consumer Award 2014". Es besteht aus Buchenvollholz und ist vom Kinder- übers Hoch- und Spielbett bis hin zum Jugendbett mit wenigen Handgriffen umrüstbar - zudem als Schlafmöglichkeit für Gäste geeignet. Ist der Nachwuchs krank, sorgt das zusätzlich erhältliche Jump-up-Bett für tröstliche Nähe von Mama oder Papa. Auch lässt sich damit, zum Beispiel im Ferienhaus oder Gästezimmer, das Couch- zum Doppelbett wandeln. Kurz unter dem Sofa hervorgezogen, ist es rasch aufgestellt. So wächst das weiß lackierte Bett mit den Bedürfnissen und Anforderungen seiner Nutzer mit und erfüllt auch noch lange, nachdem der Nachwuchs flügge geworden ist, seinen Zweck.

Besondere Oberflächen

Doch zunächst einmal ist es ein Spielbett: Mit Baldachin wird es zur Lagerstatt für Prinzessinnen, mit einem beleuchtbaren Segel zur Koje für Weltumsegler und Piraten, und für das Pferdeposter, das den Reitstall markiert, braucht niemand Löcher in die Wand zu bohren: Es wird einfach oben an der Rückseite des Bettes eingehängt. Dieses modulare System haben sich Birgit Geisel und Doro thee Gahlen, Freundinnen und beide selbst Mütter, ausgedacht, als sie nach ihrem Kunst- und Französisch-Studium nebst Promotion an der Uni Wuppertal keine Lust mehr auf eine sitzende Tätigkeit hatten und lieber etwas Kreatives machen wollten. So suchten sie ein Atelier und fanden es 2000 in der ehemaligen Papierfabrik an der Treppenstraße in Elberfeld. „Begonnen haben wir mit Hockern, Tischen und Bänken", erzählt Dorothee Gahlen, die anfangs die Möbel auch noch selbst bemalte. „Zunächst haben wir passend dazu Einzelstücke wie Kommoden und Schränke hergerichtet." Nur stimmten die Höhen der einzelnen Möbel nicht überein — eine eigene Kollektion musste her. Gemeinsam mit einem Schreiner arbeiteten die beiden Unternehmerinnen ihre Ideen aus - dazu gehörte auch ihre Vorgabe, dass es nirgends sichtbare Schrauben geben darf. Nach einem Jahr des Tüftelns und Überlegens war die Marktreife erreicht. Seitdem verkaufen die beiden nicht nur Hocker, Tische, Bänke und Betten, sondern auch Schränke, Schaukelschiffe, Babybetten, Laufställe und Puppenwagen. Alle Möbel sind aufeinander abgestimmt und haben eine ganz besondere Oberfläche: Sie ist etwas uneben, die Farbe changiert, man möchte gleich mit der Hand darüberstreichen, um diese Struktur zu erkunden. Doch so sind die Oberflächen nicht von vornherein. Wenn die slowenische Schreinerei, in der Birgit Geisel (56) und Dorothee Gahlen (58) die Möbel fertigen lassen, sie anliefert, bleibt im Atelier von Isle of Dogs noch eine Menge zu tun. Die bereits lackierten Oberflächen werden mehrfach abgeschliffen, „sonst könnte man darauf gar nicht malen", sagt Stegers. Ist ein wenig Farbigkeit gefragt, werden die Kanten der Stücke in drei Schichten mit zum Beispiel blauem und für Kinderspielzeug geeignetem Dispersionslack bemalt, zwischendurch wird die Farbe wiederholt angeschliffen, dann kommt wieder Weiß darüber, das seinerseits in mehreren Arbeitsgängen so geschliffen wird, dass ein Vintage Look entsteht. Schließlich kann das Möbel individuell bemalt werden. „Die meisten unserer Kunden entscheiden sich dafür, unsere Motive, Aufschriften und Namenszüge nur auf Accessoires malen zu lassen", sagt Birgit Geisel. „Denn diese Bauteile sind rasch abgenommen, wenn sich der Geschmack des Kindes ändert." Der besondere Clou der Bemalung ist die abschließende Umrandung der Motive mit Buntstift, die dem Ganzen Lebendigkeit verleiht. Abschließend sorgt der Klarlack auf Wasserbasis — auch dieser in drei Schichten aufgetragen — für Widerstandsfähigkeit. „Am Ende sind das zehn Schichten", sagt Stegers. Und jede muss zwischendurch erst einmal trocknen, bevor es weitergehen kann.

Bis zu fünf Wochen Lieferzeit

Das vollwertige Holz, die hochwertige Verarbeitung, die handgemalten Ornamente und die Nachhaltigkeit der Produkte haben natürlich ihren Preis: Für ein Spielbett mit Baldachin, Leiter, Rollrost, Tor und Rausfallschutz zahlt man 2348,90 Euro. Ein geräumiger dreitüriger Kleiderschrank, etwa mit einem zurückhaltend kolorierten, organisch wirkenden Rautenmuster bemalt, schlägt mit 3799 Euro zu Buche. Eine Kommode, deren Wickelaufsatz sich problemlos, weil nur aufgesteckt, entfernen lässt, ist individualisiert für 1999 Euro zu haben. Die Lieferzeit für bemalte Möbel beträgt bis zu fünf Wochen, „aber die Kunden warten gerne darauf. Schließlich wissen sie, dass für sie persönlich angefertigt wird — wir fangen immer bei Null an", sagt Stegers. Als Birgit Geisel und Dorothee Gahlen anfingen, half ihnen ein EU-Stipendium, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. „Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns ein Gehalt zahlen und Mitarbeiter einstellen konnten", sagt Birgit Geisel. Heute sind es acht, davon sind drei in Vollzeit beschäftigt. „Wir sind langsam, aber kontinuierlich gewachsen", sagt Dorothee Gahlen. „Zunächst haben wir nach und nach unser Atelier auf heute 550 Quadratmeter erweitert, dann den Showroom im Haus gegenüber noch angemietet." Mittlerweile gibt es die Produkte von Isle of Dogs Design bei ausgewählten Händlern, unter anderem in Düsseldorf, Rösrath, Frankfurt am Main, Stuttgart, München, Berlin, Hamburg, London, Zürich, Genf, und natürlich direkt im Showroom und im Online- Shop. Ebenfalls gewachsen ist das Sortiment: Dazu gehören nun auch Textilien, die Dorothee Gahlen und Birgit Geisel teils anfertigen lassen, teils von namhaften Herstellern hinzukaufen und Accessoires wie Kissen, Wimpel- und Pomponketten, selbstklebende Wandsticker und Bordüren. „Es macht eine unglaubliche Freude", sagt Birgit Geisel, „sich immer wieder neue schöne Dinge auszudenken.

Aus „einfach BERGISCH“ 01/2017
Mit freundlicher Genehmigung von „einfach BERGISCH“
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